Kulturreichtum Chinas

Das Jahr 2014 ist das Jahr des Holzpferdes ( Bildquelle: yienkeat– Bigstock®)

In China ist alles eine Nummer größer als gewohnt. Das Land blickt auf über 4000 Jahre geschriebene Geschichte zurück, es zählt rund 1,4 Milliarden Einwohner, die 55 verschiedenen Ethnien angehören. Dementsprechend vielfältig stellt sich die chinesische Kultur dar, das heißt die Denkweisen, Ideen, Vorstellungen und auch die chinesischen Bräuche und Riten, wie sie sich im Alltag, in der Politik, in der Wirtschaft, in der Wissenschaft und in der Kunst niederschlagen.

Chinesische Vorstellungswelten

Zu den bestimmenden Faktoren chinesischer Kultur gehören verschiedene weltanschauliche und philosophische Einflüsse, etwa der Schamanismus, der Konfuzianismus mit seiner fast klassisch zu nennenden Tugendlehre, der auf ein der Welt wesentlich zugrunde liegendes Prinzip verweisende Daoismus und eine besondere chinesische Variante des Buddhismus. Im 20. Jahrhundert wird vor allem der Kommunismus unter Mao Zedong weltanschaulich prägend.

Auch wenn es in China ein starkes Clan- und Gruppendenken, also eine Tendenz zur Abgrenzung gibt, ist Harmonie von jeher ein prägendes Merkmal der chinesischen Vorstellungswelt. Es findet sich in der Vorstellung von den sich zugleich abstoßenden und anziehenden Prinzipien Yin und Yang wie auch in der daoistischen Lehre von den fünf Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser.

Weitere bedeutende Merkmale sind:

  • Der hohe Stellenwert der Gemeinschaft
  • Hierarchiedenken
  • Ritualisierung
  • Der Vorrang des Diesseits vor dem Jenseits

Mythen und Sagen

Durch die vielen unterschiedlichen weltanschaulichen Einflüsse hielten ebenso mannigfache Mythen und Sagen und damit verbundenes Brauchtum, spezifische chinesische Bräuche und Riten, Einzug in die chinesische Kultur. Topoi und Motive, wie der Schöpfungsmythos, die Dreiheit von Himmel, Erde und Mensch oder die Metamorphosen der Götter tauchen in der traditionellen Mythologie der Chinesen auf und bestimmen die chinesischen Bräuche.

Figuren, wie der Weise, der Unsterbliche oder der Unheilbringer, der Drache und die Fuchsfee sind mythisch signifikant. In China kennt man Riesen, Schlangen, Donner-, Wasser- und allerhand Schutzgötter. Göttinnen dagegen spielen eine eher geringe Rolle.

Chinesische Astrologie

Anders als die abendländische Astrologie orientiert sich die chinesische Astrologie nicht an Sonne, Mond, den Planeten und ihren Konstellationen. Stattdessen richtet sie sich nach einem speziellen Kalender, der verschiedenen philosophischen Deutungen unterworfen ist, die wiederum Aspekte der Fünf-Elemente-Lehre wie auch des Yin und Yang enthalten.

Die Basis für Berechnungen und Erkenntnisse in der chinesischen Astrologie bildet eine Kombination aus Zahlenmystik, Zeit und Polarität. Zwar kennt auch die chinesische, genau wie die westliche Astrologie zwölf Tierkreiszeichen, jedoch sind sie nicht Monaten zugeordnet, sondern Jahren. Dieser Zwölfjahreszyklus wird zusätzlich von den fünf Elementen und dem Yin und Yang beeinflusst, sodass
ein vollständiger astrologischer Zyklus 60 Jahre umfasst.

Die zwölf Tierkreiszeichen

Als Repräsentanten der Erdzeit stehen die zwölf Tierkreiszeichen (auch Erdäste oder -zweige genannt) für die einzelnen Stationen des irdischen Zyklus’ (Sonnenumlauf und Tagesdoppelstunden). Darüber hinaus lassen sich die zwölf Tierkreiszeichen nach dem Yin und Yang in sechs Wild- und sechs Haustiere unterteilen:

  • Ratte
  • Büffel
  • Tiger
  • Hase
  • Drache
  • Schlange
  • Pferd
  • Schaf
  • Affe
  • Hahn
  • Hund
  • Schwein

Die zehn Himmelsstämme

Ergänzt werden die zwölf, das irdische Prinzip (Yin) symbolisierenden Tierkreiszeichen durch die zehn Himmelsstämme, die Repräsentanten des Himmels (Yang), die sich aus den fünf Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn sowie den fünf Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser und ihren Wandlungsphasen ableiten. Jedem Tierzeichen wird außerdem für jedes Jahr eines der fünf Elemente zugeordnet. Man spricht daher vom Jahr des Wasser-Drachens, vom Jahr des Feuer-Büffels und so weiter.

Das chinesische Horoskop

Zur Bestimmung des chinesischen Sternzeichens wird das Geburtsjahr der betreffenden Person zugrunde gelegt. Ausschlaggebend sind hier der chinesische Kalender und das chinesische Jahr, das je nach Auftreten des ersten Neumondes zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar beginnt. Aus der Kombination der zwölf Tiere mit den fünf Elementen (daraus ergeben sich sechzig Varianten) wird der Charakter der Person bestimmt. Die Jahreszeit (einem der fünf Elemente beigeordnet) bestimmt Glück und Wünsche, der Tag die Gefühle der Person.

Chinesische Bräuche

Die astrologische Prognostik, also die Voraussage von Lebensereignissen anhand des Horoskops, ist in China recht populär. Zu den chinesischen Bräuchen im Zusammenhang mit der Astrologie gehört es, dass vor Hochzeiten, wichtigen beruflichen oder privaten Entscheidungen und Veränderungen, Reisen, größeren Investitionen oder anderen mehr oder weniger bedeutenden Ereignissen entsprechende Auskünfte eingeholt werden.

Politiker und Wirtschaftslenker suchen vor wichtigen Entscheidungen oder Vertragsabschlüssen gerne Rat bei professionellen Astrologen. Die Kombination aus Tierkreiszeichen und Elementen ist dabei von Bedeutung. Aber auch die Konstellation zwischen den Tierkreisen ist wichtig im Zusammenhang mit chinesischen Bräuchen. So wird bei einer Heirat traditionell darauf geachtet, ob die Paarung der Kandidaten eine günstige oder ungünstige ist.

Der siegreiche Drache etwa passt zwar zur listigen Schlange, der wilde Tiger jedoch eher nicht mit dem gutmütigen Hasen zusammen. All dies zeigt wiederum die tragende Rolle, die dem Prinzip der Harmonie in China allgemein beigemessen wird und kann einer Lebensplanung schon mal einen Strich durch die Rechnung machen.

Aktuelles Beispiel: das Jahr des Holzpferdes

Seit dem 31. Januar 2014 (wie zuletzt im Jahr 1954) befinden wir uns nach dem chinesischen Kalender im Jahr des Pferdes in Kombination mit dem Element Holz, also im Jahr des Holzpferdes. Das Pferd gilt als feurig, Holz heizt das Feuer weiter an – eine brenzlige Situation.

Astrologen prophezeiten denn auch kein ruhiges, sondern ein dramatisches Jahr mit vielen Konflikten, Katastrophen und Skandalen. Für die Wirtschaft allerdings scheint die Kombination durchaus verheißungsvoll. Von Unternehmern wird das Pferd als gutes Symbol betrachtet, schließlich gilt es als energetisch, kraftvoll, schnell und fleißig. Es bringt den Reiter sozusagen geschwind ans ersehnte Ziel. Und wer in Geschäfte investiert, die mit Feuer oder Holz in Verbindung gebracht werden können, der darf sogar auf dicke Gewinne hoffen.

Auf der anderen Seite bedeutet die Abwesenheit der “kühlen” Elemente Erde, Metall und Wasser allerdings auch, dass eine Menge wichtiger Entscheidungen womöglich eher emotional als rational getroffen werden, also impulsiv, nicht mit Weisheit und Vernunft und dem sprichwörtlichen kühlen Kopf.

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